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Gehirn - Jogging

Neuroplastizität - " Weckruf "

Repetition & Speicherung
Unter neuronaler Plastizität versteht man die Eigenschaft von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich in Abhängigkeit von der Verwendung in ihren Eigenschaften zu verändern. Abhängig vom betrachteten System spricht man von synaptischer Plastizität oder kortikaler Plastizität.
 

 

Das Adulte lat. adultus für " erwachsen "  Gehirn

 
Also ist auch das Gehirn eines Erwachsenen kein starr festgelegtes, fix verdrahtetes Organ, sondern bis ins hohe Alter veränderbar. Neue Erfahrungen und Eindrücke verändern die Architektur des Gehirns, bauen Verbindungen zwischen den Nervenzellen aus und lassen neue entstehen, wobei Brücken zu vorhandenem Wissen geschlagen wenig oder ungenutzte Verbindungen abgeschwächt werden. Ohne neuronale Plastizität wäre Lernen nicht möglich
 

Diese Anpassungsfähigkeit des Gehirns bzw. von Nervenzellen gründet auf die Forschungsarbeit des Psychologen Donald Olding Hebb (kanadischer kognitiver Psychobiologe und Professor für Psychologie an der McGill-Universität in Montreal). Eine Synapse ist eine Kontaktstelle zwischen zwei Neuronen oder zwischen einem Neuron und einer Muskelzelle, die der Reizübertragung dient. Der Begriff Synapse geht auf Sir Charles Sherrington (englischer Physiologe, 1857-1952) zurück.

 

(..) Bei der Veränderung der Gehirnstrukturen transportieren Neurotransmitter an der Synapse Signale zu einer anderen Nervenzelle, wo sie ein elektrisches Signal auslösen, das zum Zellkörper wandert und mit anderen Reizen verrechnet wird. Wird dabei ein Schwellenwert überschritten, wird das Signal über das Axon an die nächste Nervenzelle weitergegeben. Steigt die Anzahl der Synapsen und ihre Übertragungsstärke, kann das Hirn Informationen immer differenzierter verarbeiten. Beim Lernen bilden sich neue Nervenbahnen, und bestehende werden stärker mit Myelin, eine fetthaltige Substanz - Impulsübertragung überzogen, [ einer Schicht, die für eine erhöhte Leitungsgeschwindigkeit sorgt ], also ebenfalls wichtig für das Lernen ist.

 
Physionomie
 
Das Speichern von Informationen im Gedächtnis geschieht in drei Schritten, wobei im sensorischen Register Informationen von den Sinnesorganen als elektrische Impulse kurz zwischengespeichert werden, wobei diese Informationen schon nach wenigen Zehntelsekunden zu verschwinden beginnen. Damit sie länger gespeichert werden können, müssen sie etwa durch Repetition oder Analyse bewusst verarbeiten werden. Im Kurzzeitgedächtnis schließlich werden die Informationen aus dem sensorischen Register schließlich in eine Kette von Eiweißen übersetzt, die schon einige Sekunden bis Minuten erhalten bleibt. In diesem Arbeitsgedächtnis werden etwa fünf bis neuen verschiedene Informationen bereitgehalten. Um diese auf Dauer zu speichern, müssen sie mehrfach wiederholt und dadurch ins Langzeitgedächtnis übertragen werden, wobei die Eiweißketten damit dauerhaft in die Nervenzellen eingelagert werden.
 
Gedächtnis: Das Gedächtnis ist eine der wichtigsten Funktionen unseres Gehirns. Es ist ständig und sofort aktiv, wenn wir etwas erleben: Wenn wir jemanden kennenlernen, erkennen wir sie oder ihn auch nach Stunden oder Tagen wieder. Und auch wer zum ersten Mal die Parfümabteilung, das Personalbüro oder die Toilette in einem fremden Gebäude aufsucht, findet den Ausgang gewöhnlich ohne Schwierigkeiten wieder.
Das Gedächtnis „denkt“ also nicht nur ständig „mit“, es bildet neue Erinnerungen auch besonders schnell, meist schon bei der ersten Interaktion. Das liegt daran, dass für jede Person, für jeden Ort und wohl auch für viele andere Konzepte bestimmte Gedächtniszellen direkt zuständig sind. Ein Typ dieser Neuronen, die Körnerzellen, sitzt im Hippocampus. Wenn Gedächtniskonzepte wie „mein Wohnzimmer“ oder „Angela Merkel“ aktiviert werden – zum Beispiel durch das Betreten des Wohnzimmers oder das Betrachten einer Fotografie der Bundeskanzlerin – reagiert eine kleine Anzahl zuständiger Körnerzellen mit elektrischen Impulsen. Die weit überwiegende Mehrzahl der Körnerzellen bleibt dagegen untätig.

 

Aufgeweckte Körnerzellen

 

Bisher war unklar, durch welchen Mechanismus einzelne Gedächtniszellen einer bestimmten Erinnerung zugewiesen werden – zumal die allermeisten Körnerzellen normalerweise ruhen und keine Funktion zu haben scheinen. Das Tübinger Forscherteam am Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) unter Leitung von Dr. Andrea Burgalossi ging nun der Frage nach, ob ruhende Körnerzellen unter bestimmten Umständen „aufgeweckt“ werden können. Ihre Vermutung: Körnerzellen können durch elektrische Impulse zu aktiven Gedächtniszellen werden. Um die Hypothese zu überprüfen, legten sie haarfeine Mikroelektroden in den Gyrus dentatus von Ratten, durch die sie schwache elektrische Impulse in einzelne Körnerzellen senden konnten.

Quelle: doccheck.com 
 

Adulte Neurogenese

 

Neurodegenerative Erkrankungen

 

Übrigens vermindert Stress auch die Neuroplastizität, wobei eine gestörte Neuroplastizität bei psychischen Störungen wie der Depression als eine mögliche Ursache gilt. Bisher glaubte man, dass beim wiederholten Durchleben von negativen wie positiven Erlebnissen jedes Mal dieselben Gehirnareale aktiv sind wie beim eigentlichen Ereignis und deren Strukturen verändern können. Eine Studie mit Überlebenden eines Erdbebens in China mittels Magnetresonanztomografie zeigte aber, dass traumatische Erlebnisse die Gehirnaktivität binnen weniger Tage verändern können, denn von der Katastrophe Betroffene wiesen in mehreren Gehirnarealen andere Aktivitätsmuster auf als Menschen ohne ein solches Schockerlebnis. Ein massives Trauma bzw. der posttraumatische Stress kann also offensichtlich auch den Grundzustand des Gehirns verändern.

Quelle: http://lexikon.stangl.eu/1166/neuroplastizitaet/
© Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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